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Raue Zeiten für Berater Entlassungen: Die Consulting-Branche schrumpft
sich wieder gesund.
Von Christiane Siemann
Die Beraterzunft hat einiges von
ihrem Zauber verloren - zum einen wegen der öffentlichen
Diskussion um die Auftragsvergabe, zum anderen hat ihre
Attraktivität als Arbeitgeber deutliche Schrammen bekommen.
Tausende von Mitarbeitern wurden in den vergangenen zwei
Jahren entlassen. Damit hat mancher Berater ein Schicksal am
eigenen Leib erfahren, mit dem er sich in seiner beruflichen
Praxis oft genug auseinander setzen musste - allerdings
meist auf der Seite der Entscheider, und nicht der
Betroffenen.
"Viele machen sich nicht klar, dass
auch Unternehmensberatungen konjunkturabhängig sind", sagt
die Betriebswirtschaftlerin Sarah Gatter. "In guten Zeiten
sind Unternehmensberatungen tolle Arbeitgeber. Aber in
schlechten Zeiten wird auch massiv entlassen." Die
31-Jährige arbeitete als Consultant bei
PricewaterhouseCoopers und bei Kienbaum, wo sie gekündigt
wurde. Inzwischen hat sie in einem Industrieunternehmen
einen neuen Job.
Die Statistik des Arbeitsamtes
verrät nichts über Entlassungen von Consultants. Denn hinter
der Rubrik Dienstleistung, die regelmäßig erfasst wird,
verbergen sich unterschiedliche Branchen und Berufszweige.
Die Unternehmensberatungen selbst üben sich beim Thema
Entlassungen in ihrer größten Tugend: Diskretion. Die
Öffentlichkeit erfährt nur selten Zahlen. So musste Bearing
Point, die ehemalige Beratersparte der
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, mehrere hundert
Mitarbeiter entlassen. Auch durch den Verkauf der
Unternehmensberatung von PricewaterhouseCoopers an IBM
gingen hunderte von Arbeitsplätzen verloren.
Jörg
Forthmann von Mummert Consulting in Hamburg macht kein
Geheimnis aus dem Personalabbau seiner Firma. Das
Beratungsunternehmen musste 200 Leute entlassen. "Da die
Kunden ihre Budgets gekürzt haben, wissen sie auch, dass wir
weniger Mandate haben. Sie können unsere Entlassungen
nachvollziehen und schätzen unsere Ehrlichkeit."
Ein
Viertel bis ein Drittel der Mitarbeiter in den großen
Beratungsgesellschaften Hamburgs seien entlassen worden,
schätzt Guido Leyh, Personal- und Outplacementberater in
Hamburg. Viele hätten aus Imagegründen auf Kündigungen
verzichtet. Bevorzugte Trennungsart sei der
Auflösungsvertrag. Einen solchen Vertrag unterschrieb auch
Sven Meyer von PricewaterhouseCoopers. Die Arbeit findet er
nach wie vor sehr interessant; sie biete schnell Einblick in
viele Unternehmen und spannende Projekte. Aber der
34-jährige Wirtschaftswissenschaftler sieht auch die
Diskrepanz zwischen Schein und Sein: "Nach außen ist die
Fassade der Beratungsunternehmen perfekt, aber hinter den
Kulissen sieht es nicht anders aus als in den Unternehmen,
die beraten werden."
Die Situation hat auch Vorteile
für der Beratungsunternehmen. Früher erwarteten und bekamen
Einsteiger ein sechsstelliges Jahresgehalt. So entstand in
den Boom-Zeiten ein falsches Bild der Branche. Guido Leyh:
"Attraktiv ist der Arbeitplatz Beratung noch immer und ein
gutes Sprungbrett für die Karriere, da man viele Erfahrungen
sammeln kann und herausfordernden Projekten begegnet." Das
Gehaltsniveau habe sich normalisiert, so der Bundesverband
Deutscher Unternehmensberater.
Entlassene Berater,
die jetzt eine neue Stelle suchen, orientieren sich gern in
Richtung Industrie. Ein häufiger Wechsel zwischen
Beratungsunternehmen und der freien Wirtschaft ist
allerdings nicht möglich. Herbert Mühlenhoff,
Outplacementberater in Hamburg: "Die Berater müssen
strategisch planen, wo sie sich auf Dauer platzieren wollen.
Das Anforderungsprofil eines Beraters und einer
Führungskraft in anderen Unternehmen ist sehr
unterschiedlich. Während von den einen Querschnittsdenken
verlangt wird, müssen die anderen Mitarbeiterführung
beherrschen."
erschienen am 3. April 2004 in Beruf
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