Spezialist
und Fachkraft, ab 50, für innovative und entwicklungsfähige
Projektaufgabe im Vertrieb von dynamischem Unternehmen gesucht."
Diese Stellenausschreibung wird man vergeblich suchen, immer noch
regiert der Jugendwahn in den Unternehmen. Wer älter als 45 ist,
gilt vielerorts automatisch als Blockierer. Gleichzeitig beklagen
die Unternehmen jedoch einen Fachkräftemangel und registrieren
nicht, dass sie schon vor dem Phänomen der Alterung des
Arbeitskräfteangebots insgesamt stehen.
Die demografische Entwicklung der erwerbstätigen Bevölkerung
spricht eine deutliche Sprache: Im nächsten Jahr gibt es erstmals
mehr über 40-Jährige als unter 40-Jährige auf dem Arbeitsmarkt,
bereits 2020 liegt die Anzahl der über 40-Jährigen doppelt so hoch
wie jetzt. Vergleicht man die Entwicklung der Erwerbstätigen unter
30 mit der über 50 Jahre, zeigt die Grafik eine so genannte
Altersschere.
Eine aktuelle Studie der "VDI Nachrichten" und des Fraunhofer
Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) unter fast
400 Unternehmen ergibt, dass der Prozentsatz der über 45-Jährigen an
den Neueinstellungen in den letzten drei Jahren unter 15 Prozent
liegt.
Alter
als Wettbewerbsvorteil
Während die Folgen der alternden Gesellschaft in Bezug auf die
Finanzierung der Rentensicherung von allen Seiten diskutiert wird,
fehlt eine intensive Auseinandersetzung in der Unternehmens-,
Personal-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Im Kern stellt sich für
Unternehmen und Wirtschaft die Frage: Wie kann mit einem steigenden
Anteil Älterer die Wettbewerbsfähigkeit erhalten und ausgebaut
werden?
Momentan verlassen sich die meisten Unternehmen darauf, dass der
Nachwuchs die Innovationen bringen werde. Die jungen
Berufseinsteiger werden jedoch auf Grund des Geburtenrückgangs immer
knapper. Bis 2020 machen die unter 30-Jährigen lediglich 20 Prozent
der Erwerbstätigen aus. Gleichzeitig sind das Erwerbsleben und die
Laufbahnen darauf ausgerichtet, Mitarbeiter ab 55 in den
Vorruhestand zu schicken.
Die Begründungen dafür lauten häufig: Ältere seien weniger
leistungsfähig und sollten Arbeitsplätze für Jüngere freimachen.
Infolgedessen werden betriebliche Karrieren ab einem mittleren Alter
nicht mehr aktiv gefördert. Dafür wird in den mittleren Jahren
"reingeklotzt" in der Hoffnung auf baldigen Ruhestand. Diese gängige
Frühverrentungspraxis führt nun ins Dilemma. Aber trotzdem beharren
die Unternehmen noch auf den Glauben an den jungen Nachwuchs.
Eiziger
Nachteil: Hohe Kosten
Ein Beispiel: Es gibt mehr als 30.000 arbeitslose Ingenieure, die
älter als 45 sind, obwohl Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt
händeringend gesucht werden - knapp ein Fünftel aller nicht
besetzbaren Stellen beziehen sich auf Ingenieure. Ab einem Alter von
45 werden sie offensichtlich nicht mehr gerne eingestellt.
Dabei werden die Qualifikationen erfahrener Ingenieure bestens
bewertet. Sie gelten als Know-how-Träger erster Güte, auch
Belastungsfähigkeit, Lernbereitschaft, Teamfähigkeit, Motivation,
Branchen- und Produktkenntnisse werden ihnen zugeschrieben. Ihr
aktuelles Fachwissen scheint so gut zu sein, dass mehr als 95
Prozent der Unternehmen keine Weiterbildungsmaßnahmen für sie
betreiben müssen. Einziger Nachteil: Die Hälfte der Unternehmen
bemängelt, dass sie hohe Personalkosten verursachen.
Notwendig wären vielfältige Maßnahmen, um einer
Altersdiskriminierung zu begegnen: Beispielsweise Strategien um die
Lernfähigkeit von Älteren und die Arbeitsfähigkeit bis zur Rente zu
erhalten, Laufbahngestaltungen mit Tätigkeitswechsel. Prof.
Hans-Jörg Bullinger vom Fraunhofer IAO sagt: "Die Breite der
Betriebe hat das Problem noch nicht erfasst."
Über zwei Jahre förderte deshalb das Bundesministerium für
Bildung und Forschung unter Federführung des IAO ein
Transferprojekt, um in Unternehmen das Bewusstsein für alternde
Belegschaften zu schärfen und Lösungsmodelle zu erarbeiten. Zirka
130 - überwiegend kleine und mittlere - Unternehmen erproben derzeit
Umsetzungskonzepte.
Auch die Quelle AG ist mit speziellen Förderprogrammen aktiv
geworden: "Die umfangreichen Erfahrungs- und Wissenspotenziale von
Mitarbeitern ab 40 sollen stärker für das Unternehmen nutzbar
gemacht werden. Erfahrene Kräfte bekommen die Möglichkeiten, eigene
Projekte im Unternehmen zu initiieren und umzusetzen. Hierdurch
entdecken sie neue Perspektiven, sich aktiv im Unternehmen zu
engagieren", sagt Verena Ende, zuständig für die Personalentwicklung
bei Quelle.
Woran es aber noch fehle, sei eine breite und rasche Umsetzung
von Erfolgskonzepten, stellt Bullinger vom IAO fest. Angesicht des
Brisanz und Dringlichkeit der Probleme müssten die Unternehmen rasch
handeln.