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ftd.de, Mi, 29.5.2002, 13:00
Job-Börsen: Keine Stelle unter diesem Klick
Von Christiane Siemann

Die Krise bei den Internet-Jobbörsen spitzt sich zu. Da die Unternehmen derzeit deutlich weniger Positionen offerieren, ist die Zahl der Online-Stellenangebote deutlich zurückgegangen. Der Konsolidierungsprozess bei den Stellenbörsen setzt sich unvermindert fort.

Auf dem Markt der kommerziellen Jobanbieter ist eine weitere Konzentration zu beobachten. Zukünftig können nur einige wenige Anbieter überleben. Diese Meinung vertreten 92 Prozent der Jobbörsenbetreiber in der jährlichen Umfrage der Fachzeitschrift "Personalwirtschaft", die am Mittwoch im Sonderheft "Online-Recruiting. Jobbörsen - der Kampf ums Überleben" veröffentlicht wird. Jährlich befragt die Fachzeitschrift dazu die 100 größten Betreiber von Online-Stellenmärkten zu Status, Erwartungen und Qualitätsanspruch. In diesem Jahr glauben lediglich acht Prozent der Befragten, dass die jetzigen Marktstrukturen unverändert bleiben. Dass sich zukünftig weitere Jobbörsen im Markt etablieren können, erwartet keine einzige Firma.

Trotz der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt gehen aber zwei Drittel der Unternehmen davon aus, dass in diesem Jahr ihre Umsätze wieder wachsen werden. Dabei klammern sie ihre Hoffnungen an eine Prognose des Marktforschungsunternehmens Forrester Research. Danach werde in Europa das Umsatzvolumen der Jobbörsen bis zum Jahr 2005 auf 5 Mrd. Euro steigen und sich gegenüber 2000 fast verzehnfachen.

Verluste bei Karriereportalen

Unterdessen verschärft sich der Kampf um die Marktanteile bei den Karriereportalen. Kaum ein Anbieter schreibt bislang schwarze Zahlen. Besonders die Großen im Wettbewerb wie Jobpilot, Stepstone und Monster (Tochter der Personalberatung TMP Worldwide) haben durch hohe Ausgaben für Marketing, internationale Expansion, Personal und Technik in den vergangenen Jahren einige Millionen Euro Verluste angehäuft.

Gewiss: Zurzeit verzeichnen die Stellenmarktplätze steigende Besucherzahlen, weil mehr Leute auf Jobsuche sind. Doch die Interessierten stoßen auf deutlich weniger Positionen. Ein Beispiel: Die Zahl der Stellenangebote auf den Seiten von Stepstone Deutschland hat sich innerhalb eines Jahres auf 10.000 halbiert (siehe Tabelle). Einige Player bleiben gelassen. Der Anzeigenrückgang, behauptet Jobware-Geschäftsführer Randolph Vollmer, versetze ihn nicht in Unruhe, denn Fach- und Führungskräfte seien von Nachfrageschwankungen weniger betroffen als andere Arbeitnehmer. Er prophezeit: "Die Rezession wird die anstehende Marktbereinigung nur beschleunigen."

Von den rund 400 Stellenmärkten, die der Branchendienst Crosswater-Systems für den deutschsprachigen Raum auflistet, werden mittelfristig nur eine Hand voll in der ersten Liga mitspielen. So hat sich der Dotcom-Riese Yahoo in den Markt eingekauft: Für 436 Mio. $ übernahm das Webportal den amerikanischen Internet-Stellenmarkt Hotjobs und schlug den mitbietenden Konkurrenten TMP Worldwide mit seiner Plattform "Monster" aus dem Rennen. Auch in Europa konzentriert sich das Geschäft. Jüngster Fall im Konzentrationsprozess der Branche ist die Übernahme der Bad Homburger Jobpilot AG durch den Schweizer Personaldienstleister Adecco.

Weniger Mitarbeiter

Wirtschaftliche Zwänge haben die Pionierstimmung am Markt abgelöst. Jobpilot reduzierte seine Belegschaft im vergangenen Jahr allein in Deutschland von 270 auf 165 Mitarbeiter, Stepstone strich hier zu Lande 100 Stellen und schloss ein halbes Dutzend europäischer Niederlassungen, Versum entließ ein Drittel seiner zuvor 90 Leute.

Nach wie vor kritisch ist die "Währung" der Jobbörsen, nämlich die Kontrolle und Vergleichbarkeit der Zugriffszahlen im Internet. Auch das neue Online-Messverfahren der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) ist nicht frei von Kritik. Seit einem Vierteljahr werden zwar die tatsächlichen Visits (zusammenhängender Besuch einer Website) und nicht mehr die Page-Impressions (jede Seite eines Angebots) gemessen, was Werbe- und Mediafachleute begrüßen.

Aber die Reichweite ist nur ein Kriterium unter anderen - nicht jedoch der einzige Gradmesser für die Effizienz einer Jobbörse. Die Anzeigenkunden möchten nicht nur wissen, wie viele User auf das jeweilige Angebot zugreifen, sondern wer zugreift. Oliver Maassen, Direktor Konzernpersonalmarketing der HypoVereinsbank München: "Entscheidend ist, ob gute Bewerbungen ankommen. Dies ist neben dem Preis die wichtigste Messlatte für die Schaltung bei einer Jobbörse."

Die größten Jobbörsen im Internet
Massive Einbrüche bei den Kleinen

Rang Jobbörse Aktive Stellenangebote   Verände-
    Feb. 2002 Jan. 2001 rung in %
1 Jobversum 85 000 65 000 + 31 %
2 Jobpilot 38 969 34 622 + 13 %
3 Berufsstart aktuell 22 877 13 500 + 69 %
4 Jobonline 10 700 10 100 + 6 %
5 Stellenanzeigen.de 10 458 36 000 - 71 %
6 Stepstone 10 400 23 000 - 55 %
7 Jobs.de 9 200 15 000 - 39 %
8 Monster 8 000 k. A. -
9 Jobscout24 7 000 k. A. -
10 Jobware 5 200 8 300 - 37 %

Quelle: "Personalwirtschaft" 6/2002 (Sonderheft Jobbörsen)

© 2002 Financial Times Deutschland

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