Auf dem
Markt der kommerziellen Jobanbieter ist eine weitere Konzentration
zu beobachten. Zukünftig können nur einige wenige Anbieter
überleben. Diese Meinung vertreten 92 Prozent der Jobbörsenbetreiber
in der jährlichen Umfrage der Fachzeitschrift "Personalwirtschaft",
die am Mittwoch im Sonderheft "Online-Recruiting. Jobbörsen - der
Kampf ums Überleben" veröffentlicht wird. Jährlich befragt die
Fachzeitschrift dazu die 100 größten Betreiber von
Online-Stellenmärkten zu Status, Erwartungen und Qualitätsanspruch.
In diesem Jahr glauben lediglich acht Prozent der Befragten, dass
die jetzigen Marktstrukturen unverändert bleiben. Dass sich
zukünftig weitere Jobbörsen im Markt etablieren können, erwartet
keine einzige Firma.
Trotz der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt gehen aber zwei
Drittel der Unternehmen davon aus, dass in diesem Jahr ihre Umsätze
wieder wachsen werden. Dabei klammern sie ihre Hoffnungen an eine
Prognose des Marktforschungsunternehmens Forrester Research. Danach
werde in Europa das Umsatzvolumen der Jobbörsen bis zum Jahr 2005
auf 5 Mrd. Euro steigen und sich gegenüber 2000 fast verzehnfachen.
Verluste
bei Karriereportalen
Unterdessen verschärft sich der Kampf um die Marktanteile bei den
Karriereportalen. Kaum ein Anbieter schreibt bislang schwarze
Zahlen. Besonders die Großen im Wettbewerb wie Jobpilot, Stepstone
und Monster (Tochter der Personalberatung TMP Worldwide) haben durch
hohe Ausgaben für Marketing, internationale Expansion, Personal und
Technik in den vergangenen Jahren einige Millionen Euro Verluste
angehäuft.
Gewiss: Zurzeit verzeichnen die Stellenmarktplätze steigende
Besucherzahlen, weil mehr Leute auf Jobsuche sind. Doch die
Interessierten stoßen auf deutlich weniger Positionen. Ein Beispiel:
Die Zahl der Stellenangebote auf den Seiten von Stepstone
Deutschland hat sich innerhalb eines Jahres auf 10.000 halbiert
(siehe Tabelle). Einige Player bleiben gelassen. Der
Anzeigenrückgang, behauptet Jobware-Geschäftsführer Randolph
Vollmer, versetze ihn nicht in Unruhe, denn Fach- und Führungskräfte
seien von Nachfrageschwankungen weniger betroffen als andere
Arbeitnehmer. Er prophezeit: "Die Rezession wird die anstehende
Marktbereinigung nur beschleunigen."
Von den rund 400 Stellenmärkten, die der Branchendienst
Crosswater-Systems für den deutschsprachigen Raum auflistet, werden
mittelfristig nur eine Hand voll in der ersten Liga mitspielen. So
hat sich der Dotcom-Riese Yahoo in den Markt eingekauft: Für 436
Mio. $ übernahm das Webportal den amerikanischen
Internet-Stellenmarkt Hotjobs und schlug den mitbietenden
Konkurrenten TMP Worldwide mit seiner Plattform "Monster" aus dem
Rennen. Auch in Europa konzentriert sich das Geschäft. Jüngster Fall
im Konzentrationsprozess der Branche ist die Übernahme der Bad
Homburger Jobpilot AG durch den Schweizer Personaldienstleister
Adecco.
Weniger
Mitarbeiter
Wirtschaftliche Zwänge haben die Pionierstimmung am Markt
abgelöst. Jobpilot reduzierte seine Belegschaft im vergangenen Jahr
allein in Deutschland von 270 auf 165 Mitarbeiter, Stepstone strich
hier zu Lande 100 Stellen und schloss ein halbes Dutzend
europäischer Niederlassungen, Versum entließ ein Drittel seiner
zuvor 90 Leute.
Nach wie vor kritisch ist die "Währung" der Jobbörsen, nämlich
die Kontrolle und Vergleichbarkeit der Zugriffszahlen im Internet.
Auch das neue Online-Messverfahren der Informationsgemeinschaft zur
Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) ist nicht frei
von Kritik. Seit einem Vierteljahr werden zwar die tatsächlichen
Visits (zusammenhängender Besuch einer Website) und nicht mehr die
Page-Impressions (jede Seite eines Angebots) gemessen, was Werbe-
und Mediafachleute begrüßen.
Aber die Reichweite ist nur ein Kriterium unter anderen - nicht
jedoch der einzige Gradmesser für die Effizienz einer Jobbörse. Die
Anzeigenkunden möchten nicht nur wissen, wie viele User auf das
jeweilige Angebot zugreifen, sondern wer zugreift. Oliver Maassen,
Direktor Konzernpersonalmarketing der HypoVereinsbank München:
"Entscheidend ist, ob gute Bewerbungen ankommen. Dies ist neben dem
Preis die wichtigste Messlatte für die Schaltung bei einer
Jobbörse."
Die größten Jobbörsen im Internet
Massive Einbrüche bei den
Kleinen |
Rang |
Jobbörse |
Aktive Stellenangebote
|
|
Verände- |
|
|
Feb. 2002 |
Jan. 2001 |
rung in % |
1 |
Jobversum |
85 000 |
65 000 |
+ 31 % |
2 |
Jobpilot |
38 969 |
34 622 |
+ 13 % |
3 |
Berufsstart aktuell |
22 877 |
13 500 |
+ 69 % |
4 |
Jobonline |
10 700 |
10 100 |
+ 6 % |
5 |
Stellenanzeigen.de |
10 458 |
36 000 |
- 71 % |
6 |
Stepstone |
10 400 |
23 000 |
- 55 % |
7 |
Jobs.de |
9 200 |
15 000 |
- 39 % |
8 |
Monster |
8 000 |
k. A. |
- |
9 |
Jobscout24 |
7 000 |
k. A. |
- |
10 |
Jobware |
5 200 |
8 300 |
- 37 % |
| Quelle: "Personalwirtschaft" 6/2002
(Sonderheft Jobbörsen) |
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